Guten Morgen!
Erst einmal:
Herminchen geht es augenscheinlich schon wieder richtig gut.

Sie frisst (ich habe ihr ausnahmsweise mal ihre geliebten, höchst ungesunden, goldenen Döschen gekauft und die sind ja herrlich matschig), kommt kuscheln und verhält sich eigentlich wie immer. Die einzige Ausnahme, die ich gestern beobachten konnte, war ein gesteigertes Trinkverhalten. Aber ich schätze mal, dass sie damit 1. den Blutverlust kompensieren will und 2. die Medikamentenreste aus dem Körper spült. Über Nacht scheint sich das auch wieder gelegt zu haben. Jedenfalls habe ich sie heute morgen noch nicht wieder trinken sehen.
Sie verhält sich wirklich wie immer. Die tapfere, kleine Maus.
Sie bekommt eine Antibiose und Metacam und beides hat sie gerade mit ein bisschen Schlecki problemlos genommen.
Ja, die Diagnose war ein echter Schlag ins Kontor und ich muss zugeben, dass sie mich wirklich verunsichert hat. Ich traue meinem Gefühl nicht mehr.
Herminchen hat ihre Spielzeugbälle mit den Zähnen schnurrend durch die Gegend getragen, sie hat sich mehrmals am Tag vor mir auf den Rücken geworfen und sich gründlichst und laut schnurrend durchkuscheln lassen. Sie redet mit mir und gibt immer Antwort, wenn ich sie anspreche.
Ich hätte niemals gedacht, dass sich eine Katze mit Zahnschmerzen so verhält.
Fania schrieb:
Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verstecken. Manchmal wundert man sich wirklich, was sie alles aushalten, ohne dass unsereiner etwas merkt.
Ja, das sind sie wirklich und das bringt mich nun im Gegenzug dazu, ihrem entspannten Verhalten nicht mehr trauen zu können.
Nula schrieb:
Wenn du Ethan jetzt Röntgen lassen solltest und alles ok ist, wann müsstest du das Röntgen den wiederholen?
Mit Ethan warte ich mal noch zwei, drei Monate, denn im August ist ja nun erst einmal Tibby dran. Tibby ist inzwischen sieben Jahre alt, da ist die Wahrscheinlichkeit, dass er diese Sch...Krankheit auch hat, um einiges höher, als bei Ethan. Darum will ich ihn zuerst durchchecken lassen.
Und beide Katzen zusammen untersuchen/operieren zu lassen, finde ich halt auch ein bisschen schwierig. Ich würde mich halt gerne nach der Behandlung mit voller Kraft auf die jeweilige Fellkröte konzentrieren können und nicht womöglich zwei unwilligen Katzen jeweils 2x täglich fließbandmäßig Medikamente einflößen müssen. Die Jungs sind da nämlich nicht so kooperativ, wie Hermine. Die ist ja durch ihre HCM quasi schon ein routinierter Profi im Medikamente einnehmen.
Und das mit dem Röntgen Wiederholen gilt ja für alle Drei:
FORL verschwindet nicht, solange die Katze nicht vollkommen zahnlos ist. 
Dr. Zahner hat mir das gestern ganz anschaulich erklärt:
Für FORL verantwortlich sind die Odontoklasten. Normalerweise sind die nur im
Milchzahngebiss aktiv und sorgen dafür, dass sich die Milchzahnwurzeln "auflösen", damit die Milchbeißerchen ausfallen und Platz für die bleibenden Zähne machen können.
Nach dem Zahnwechsel sollten die Odontoklasten dann eigentlich inaktiv werden. Aber genau das passiert bei FORL-Katzen halt nicht. Warum, weiß man (noch) nicht.
Das heißt in der Folge, dass die betroffene Katze erst dann wirklich geheilt ist, wenn alle Zähne gezogen wurden, weil die Odontoklasten weiterhin aktiv sind und sich jetzt, wie bei Hermine, über die nächsten Zähne hermachen werden. Das ist nur eine Frage der Zeit.
Dr. Zahner hat mir geraten, dass ich Herminchen in einem Jahr wieder bringe, um den nächsten Schwung Zähne zu ziehen (falls sie nicht schon früher Schmerzsymptome zeigt - hahaha

).
Da stellt sich natürlich logischer Weise die Frage, warum man nicht direkt alle Zähne auf einmal zieht - wenn es doch ohnehin nur eine Frage der Zeit ist, dass das geschehen muss. Und auch das hat Dr. Zahner mir gestern erklärt:
Vorsorglich alle Zähne auf einmal zu extraieren, ist nicht ratsam, weil die (noch) gesunden Zähne ja momentan auch noch gesunde, kräftige Wurzeln haben und es dementsprechend schwierig sein würde, sie zu ziehen.
Wenn man mehrere, noch gesunde Zähne ziehen würde, würde man den Kieferknochen destabilisieren und hätte dann womöglich eine Knochenfraktur und das wäre definitiv nicht witzig.
Also geht man mit den Extraktionen häppchenweise vor und lässt dem Kiefer dazwischen die Möglichkeit neue Knochenstruktur zu bilden, wo die gezogenen Zähnchen gesessen haben. Damit verhindert man, dass der Knochen bricht.
dobalou2000 schrieb:
Alles Gute für Dein Herminchen und Dich, du hast alles Richtige gemacht.
Danke Dir.
Aber mich plagt trotzdem das schlechte Gewissen. Man kann es einfach nicht schönreden:
Hermine hatte Schmerzen und ich hätte das verhindern/verkürzen können, wenn ich früher gehandelt hätte.
MinjaundJimmy schrieb:
Das erschreckt mich jetzt auch

Wenn sich eine Katze im Verhalten so gar nicht ändert, denkt man ja nicht das sie was hat....
Aber wenn man jett eine Katze untersuchen lässt und es ist alles ok, wann muss man dann wieder nach schauen lassen?
Wie weiter oben schon beschrieben, in etwa einem Jahr, wenn sich der Kieferknochen nach den jetzigen Extraktionen wieder stabilisiert hat. Es sei denn, Hermine zeigt früher Schmerzanzeichen, aber darauf werde ich jetzt definitiv nicht mehr warten.
Also kommt im nächsten Juli der nächste Schwung Zähne raus.
Markus S schrieb:
Obwohl Katzen den Schmerz zunächst nicht offen zeigen, gehe ich davon aus, dass man am Verhalten erkennen kann, wenn sie tatsächlich "schreckliche Schmerzen" haben.
Ich denke man sollte genau abwägen, ob man ohne das geringste Symptom einer Erkrankung, routinemäßig solche Untersuchungen durchführen lassen sollte.
Der Punkt ist, und das sagte auch Dr. Zahner gestern, dass Katzen meistens erst dann Schmerzen zeigen, wenn es schon (fast) zu spät ist. Und so lange werde ich definitiv nicht warten. Mir passiert so etwas, wie bei Hermine nie wieder.
Smee schrieb:
Kater Karl zeigte selbst mit bereits nekrotischem Kiefer bis kurz vor Ende keinerlei Anzeichen seiner Qualen.
Genau das ist nämlich der Punkt, @Markus S :
Kater Karl hat sich die Schmerzen erst anmerken lassen, als der Kieferknochen schon so sehr in Mitleidenschaft gezogen war, dass Karl eingeschläfert werden musste, weil man die Zähne nicht mehr hätte ziehen können.
In Anbetracht der Fakten, dass jede 2. Katze FORL hat, und nach meiner Erfahrung mit Hermine, halte ich es inzwischen geradezu für fahrlässig, seine Katzen ab einem gewissen Alter
nicht röntgen zu lassen. Auch ohne Symptome.
Aber das ist nun halt meine Meinung.
Nula schrieb:
Hmm hier wurde diese Untersuchung doch gemacht Ohne das Hermine Symptome gezeigt hat.
Und Hiyanha ist doch beim Ergebnis aus allen Wolken gefallen.
Ich finde hier kann man sehr gut sehen das so eine Untersuchung auch ohne Symptome wichtig ist.
Denn im Gegensatz zu Kater Karl, dem ja nur eine kurze Zeit der umsorgung vergönnt war ist Hermine eine Katze auf die seit zig Jahren geachtet wird.
Ich hätte zwar auch gedacht das man es als aufmerksamer Halter bemerkt wenn die Katze so schmerzen hat, aber hier war es eben nicht so.
Und das gibt mir sehr zu denken.
Ganz genau so sehe ich das jetzt auch. Mit dem gestrigen Tag hat sich meine Frage aus meinem Eingangspost ganz eindeutig geklärt:
Ja, man sollte auch eine völlig symptomfreie Katze "durchleuchten" lassen. Das steht, zumindest für mich, jetzt vollkommen außer Frage.
