Konservative Behandlung bei Ellenbogenfraktur eines 10wöchigen Welpen

Diskutiere Konservative Behandlung bei Ellenbogenfraktur eines 10wöchigen Welpen im abgeschlossene Erfahrungsberichte Forum im Bereich Katzen allgemein; Die Vorgeschichte: Am Freitag ist es 8 Wochen her, dass ich den verletzten kleinen Kater auf der Strasse fand. Er war nass, zerzaust, blutete aus...

eoli

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Die Vorgeschichte:

Am Freitag ist es 8 Wochen her, dass ich den verletzten kleinen Kater auf der Strasse fand. Er war nass, zerzaust, blutete aus der Nase und hatte ganz offensichtlich ein gebrochenes Bein. Ein nächtlicher Besuch in der Tierklinik ergab, dass er eine Kieferfraktur, einen Bruch in Höhe des Handgelenks sowie eine Ellenbogenfraktur hatte, bei der der Gelenkhöcker des Humerus abgesprengt wurde und so dem Unterarmknochen Ulna keinen Halt mehr bot.

Der Tierarzt behandelte ihn zunächst symptomatisch mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern und verordnete Ruhe, Isolation und Nahrungskarenz. Am nächsten Tag sollte eine Röntgenuntersuchung folgen und danach überlegt werden, ob eine operative Behandlung angezeigt ist.

In der Nacht musste sich der Kleine trotz Nahrungskarenz mehrfach stark übergeben, sodass zusätzlich eine Gehirnerschütterung- prellung oder blutung in Betracht kam.
Mittags fuhren wir erneut in die Tierklinik und der kleine Kater wurde intensiv durchgecheckt und röntgenologisch untersucht. Die Untersuchung war natürlich schmerzhaft und da der Allgemeinzustand des kleinen es nicht zuliess, sediert oder narkotisiert zu werden, schrie er die Schmerzen hinaus. Ich rate medizinischen Laien sowie Menschen, die keine guten Nerven haben, bei Untersuchungen dieser Art nicht selber zu assistieren beziehungsweise besser draussen zu warten - was ich hörte, setzte selbst mir zu.

Die Röntgenaufnahmen waren entsprechend wackelig aber es war klar zu erkennen, dass der Bruch durch das Gelenk läuft und dislokiert ist. Man kann in solch einer Situation das Gelenk wieder in Position bringen und verdrahten und verschrauben. Operationen dieser Art führt hier in Mähren die tierärztliche Hochschule Brünn durch, es besteht allerdings die Gefahr, dass Schrauben herausrutschen, der Knochen nicht mitwächst, der Knochen wächst und der interne Fixateur dabei Schaden anrichtet etc - ausserdem neigt ein einmal beschädigtes Gelenk lebenslang zu Problemen.


Der behandelne Tierarzt sagte ganz klar, dass er sich gegen eine operative Behandlung ausspricht und den konservativen Weg einschlagen würde, dieser hätte vermutlich zur Folge, dass das Gelenk versteift und dadurch belastbar wird, was für
eine Wohnungskatze ja kein Problem sein sollte.
Ausserdem erfuhr ich bei diesem Gespräch, dass er den Kater auf ein Alter von 10 Wochen schätze und er nicht genau sagen könnte, ob er von einem Auto angefahren oder aus einem Fenster gefallen sei - die Verletzungen sind eher typisch für Fensterstürze.

Um eine Entscheidung zu fällen, hätte ich gerne Erfahrungsberichte gehört, so kam ich in dieses Forum.



Nachdem ich einige Erfahrungsberichte mit konservativer Behandlung und guter Ausheilung gehört hatte, war ich noch mehr bestärkt, die Operation sein zu lassen. Erschwerend kam hinzu, dass man bei dem Kleinen nicht genau wusste, ob es eine Weichteilbeteiligung, innere Verletzungen der Organe oder Gehirnverletzungen gab und es unter der OP möglicherweise zu Komplikationen hätte kommen können. Ich beschloss ihm also seine Ruhe zu gönnen und richtete ihm ein eigenes Krankenzimmer ein.

Konservative Therapie:

Ruhe, Isolation, möglichst wenig Belastung der gebrochenen Knochen, sehr weiches Nassfutter, gekochtes Hühnchen, alles was er problemlos essen mag und kann.
Antibiose in den ersten Tagen, Schmerzmittel nach Bedarf.


Die Heilung bis zur 8ten Woche:

In den folgenden Tagen schlief der Kleine sehr viel, zeigte aber zunächst einen guten Appetit und schnurrte freundlich, wenn ich ihn besuchte. Leider stellte er schon bald die Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitsaufnahme ein, pinkelte nicht und setzte keinen Kot ab. Ein von mir verabreichter Einlauf und eine Darmmassage brachten keine Besserung, in der Tierklinik wurde der Kleine katheterisiert und bekam wieder seine Schmerzmittel gespritzt. Zusätzlich bekam er ein Medikament, was den Stoffwechsel anregen und ihn somit zur Ausscheidung und Nahrungsaufnahme animieren sollte. Er frass trotzdem nichts.

Vermutlich hielten ihn die Kieferschmerzen davon ab. Wer nicht alleine essen will, muss zwangsernährt werden, also päppelte ich ihn mit Kittenmilch und Elektrolytlösung auf.
Schon nach wenigen Tagen war er so fit, dass er einen Teil der Wohnung erkundete und leider auch ein paar Mal sprang.

Nach einer Woche war er soweit schmerzfrei, dass wir nicht mehr täglich in die Tierklinik mussten, er humpelte viel herum und schaffte sogar die 25 Meter durch die ganze Wohnung bis in die Küche um dort von meinen Kräutern zu kosten.

Die Hunde merkten, wie erwartet, dass der Kleine krank ist und liessen ihn gewähren. "Katze" war zunächst etwas eifersüchtlich auf den Eindringling der soviel Aufmerksamkeit bekam, entwickelte dann aber Muttergefühle und legte sich die meiste Zeit des Tages an das Krankenlager.

Beim Laufen setzte der Kater das Bein zwar etwas auf den Boden auf, belastete aber nicht. Die linke Schulter hing herunter, der gesamte Körper ist in einer angespannten Schonhaltung.
Instinktiv legte er sich auf die kranke Seite, während er den rechten Arm viel bewegte, hielt er den linken bewegungslos in Schonhaltung.
Ich schrieb dazu in meinem Blog: "Ich hoffe, dass er keinen bleibenden Haltungsschaden davonträgt, die seinen kompletten Bewegungsapparat beeinträchtigt - ich hoffe generell, dass die Ellenbogenfraktur komplett ausheilt. Die Chancen dafür stehen wohl eher schlecht aber es wäre nicht das erste Mal, dass eine von mir aufgepäppelte Katze eine schlechte Prognose bekommt und letztlich zu einem kerngesunden Tier heranwächst."

Nach einer Woche wollte der Kleine nicht mehr alleine in seinem Krankenzimmer schlafen und siedelte zu uns ins Schlafzimmer über.

Wenige Tage später verweigerte er die Zwangsernährung mit Katzenmilch und stieg wieder auf Nassfutter um, ausserdem zeigte er ein reges Interesse an Fleisch ...
Zu dieser Zeit verschlang er 250-400g Nassfutter am Tag und machte einen gewaltigen Entwicklungsschub.

Zum selben Zeitpunkt fing er an, selbstständig auf das Bett, Stühle und Tische zu springen. Natürlich ist das der Heilung nicht zuträglich, aber man kann einen agilen Katzenwelpen nunmal schlecht bändigen, angesehen davon bin ich der Meinung, dass Katzen oftmals sehr gut selber einschätzen können, was sie tun.

Nach 3 Wochen stand er im Mittelpunkt des Rudellebens, fing an zu spielen, lief viel umher, sprang und das Humpeln wurde bedeutend besser. Hier ein Video, 3 Wochen nach dem Unfall.

Zwischenzeitlich gab es noch eine kurze Krise in der er extrem schläfrig war, nichts ass und trank und insgesamt den Eindruck machte, als müsste ich mich von ihm verabschieden. Nachdem dieser Rückschlag überstanden war, zeigte er erneut seine Vorliebe für rohes Fleisch und ich stellte die Ernährung der Katzen komplett auf rohes Fleisch um. Von dem Kieferbruch merkt man nichts mehr, er hat keine Probleme, rohes Fleisch und auch Knochen zu essen.

Nach 5 Wochen tobte er wie ein normaler Katzenwelpe es in seinem Alter tut, er war nun etwa 15 Wochen alt und entwickelte sich zum Raubein. Er machte Wettläufe mit den Hunden, keilte sich mit "Katze" sprang, strauchelte, überschlug sich, fiel aus dem Bett, zerkratzte meine Eingangstür und entfaltete seine zerstörerischen Kräfte an meiner Büropalme.

Nur beim normalen Gehen konnte man sehen, dass er noch etwas humpelt.

Nach 6 Wochen bekam er den Namen Friedhelm, er wurde geimpft, gechipt, entwurmt, entmilbt, er lief mir zwischen die Füsse, bekam einige Tritte ab, randalierte nachts mit seinen Spielzeugen und ist ein komplett normaler Kater geworden.

Jetzt mit etwa 18 Wochen sieht man von seiner Behinderung kaum noch etwas, wenn ich ihn beim normalen gehen beobachte, muss ich schon genau hinsehen, um eine gewisse Unregelmässigkeit zu entdecken. Das Gelenk hat sich nicht versteift!

Im Dezember wird er bei unserem Deutschlandaufenthalt kastriert und bei bei der Gelegenheit werde ich unter Narkose neue Röntgenbilder anfertigen lassen um zu sehen, wie die knöchernen Strukturen sich stabilisiert haben.

Die Ergebnisse werde ich gegebenenfalls hier nachreichen.


Die Kosten:

Ich habe die Belege nicht zur Hand, wenn ich die Kosten im Kopf überschlage komme ich auf umgerechnet etwa 100€ für die Tierklinik plus Taxifahrten. Natürlich wäre eine entsprechende Behandlung in Deutschland und Österreich teurer. An sich spielen die Behandlungskosten bei mir nicht so eine grosse Rolle, ich erwarte nur, dass der Tierarzt im Sinne des Tieres entscheidet und einen nicht zu unsinnigen aber teuren Behandlungsmethoden zu pushen versucht.


Auch wenn, oder gerade weil, dieser Erfahrungsbericht besonders lang und ausführlich ausgefallen ist, hoffe ich, dass er dem einen oder anderen Katzenbesitzer bei der Entscheidung "OP - ja oder nein?" helfen kann und zeigt, wie prächtig sich die Findelkinder mitunter entwickeln auch wenn sie einen denkbar bescheidenen Start ins Leben hatten.

Zuerst veröffentlicht: http://blog.ebmoli.com/konservative-behandlung-bei-ellenbogenfraktur-eines-10woechigen-katzenwelpen/

Über Feedback, Fragen und Meinungen im Ursprungsthread würde ich mich freuen.
 
31.10.2007
#1

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Gast

eoli

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Update

Mittlerweile habe ich das Ergebnis einer zweiten Röntgenuntersuchung vorliegen.

Ich nutzte die Gelegenheit der Narkose für die Kastration und liess 2 weitere (dieses Mal gestochen scharfe) Aufnahmen von Friedhelms Ellenbogengelenk machen.

Während auf der seitlichen Aufnahme das Gelenk relativ unauffällig und verheilt aussah, konnte man auf der Aufnahme von vorne-unten doch recht deutlich das Ausmass an Zerstörung sehen, was der Sturz angerichtet hat. :wink:

Es hat sich (logischerweise) ein Pseudogelenk gebildet, die Elle hängt völlig schräg im Beinchen und er hat erste Anzeichen von Arthrose.

Das alles hört sich erstmal schlimm an, ist es aber an sich nicht. Er kann völlig normal laufen, springen und toben wie jeder andere Halbstarke in seinem Alter auch und laut meinem Tierarzt wird auch die Arthrose so bald kein Problem für ihn werden - wenn er nicht "gemästet wird und irgendwann 12 Kilo wiegt."
 
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