Katzen sind soziale Tiere

  • Ersteller des Themas Elmo
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Elmo

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Hallo,

Ich habe kürzlich eine sehr schöne Arbeit gelesen in der die neuen Erkenntnisse zur sozialen Organisation von Katzen beschrieben wurden. Da ich sie sehr wichtig finde habe ich Teile davon übersetzt und stelle sie hier für alle ein.

Die Arbeit heisst:

Social organization in the cat: a modern understandinG; Journal of Feline Medicine and Surgery (S.L. Crowell-Davis et al. 2004; 6, 19-28

Und hier die Ausschnitte:

"...In the past two and a half decades, an increasing body of research conducted by various scientists throughout the world has made it clear that, while the feral and free-living domestic cat, Felis catus, can survive in the solitary state when food resources are so widely distributed as to be unable to
support a group, social groups that have internal structure, and in which group members recognize each other and engage in a variety of social behaviors, are formed whenever there are sufficient food resources to support a group [...] In other words, they are a social species. ..."

(...In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten wurden weltweit von verschiedenen Wissenschaftlern in größerem Ausmaß Forschungen durchgeführt. Es wurde nachgewiesen, dass verwilderte
und frei lebende Hauskatzen, Felis catus, zwar als Einzeltiere überleben können wenn die Futterressourcen zu dünn gestreut sind um eine Gruppe zu versorgen. Wann immer aber genügend Futter vorhanden ist, um eine Gruppe zu bilden, werden soziale Gruppen gebildet, in denen die Mitglieder einander erkennen und mit einer Vielzahl von sozialien Verhaltensweisen beschäftigt sind. [...] Mit anderen Worten, sie sind eine soziale Spezies. ...)

"...Social species are born with the capacity to learn species-specific social skills, but they are not born with the specific skills. In cats, as with humans,
dogs, horses and other social species, appropriate experience with their own species is critical to the development of appropriate species-typical social behavior. Cats that are adopted as kittens and subsequently kept in a one-cat household for several months or years miss important learning and social bonding experiences that happen during late kittenhood and the juvenile period. While the species as a whole is not asocial, such individual
cats may be, exhibiting a dysfunctional lack of knowledge of how to interact appropriately with their own species...."

"...Soziale Spezies werden mit der Möglichkeit geboren spezies-spezifische soziale Fähigkeiten zu lernen, aber sie werden nicht mit diesen spezifischen Fähigkeiten geboren. Bei Katzen, so wie bei Menschen, Hunden, Pferden und anderen sozialen Lebewesen, ist die angemessene Erfahrung mit der eigenen Spezies entscheidend, um angemessenes spezies-typisches Sozialverhalten zu entwickeln. Katzen, die als Kitten aufgenommen werden und anschliessend für mehrere Monate oder Jahre in Ein-Katzen-Haushalten gehalten werden verpassen wichtige Lehren und wichtige Erfahrungen sozialer Bindung während der späten Kindheit [da steht eigentlich "Kittenheit"] und der Jugend. Während also die Spezies an sich nicht asozial ist, können solche Einzelkatzen es sehr wohl sein, da sie ein zu Fehlverhalten führendes Wissensdefizit darin aufweisen, wie sie angemessen mit ihrer eigenen Spezies interagieren sollten. ..."

In diesem Text ist ja sehr schön erklärt warum man junge Katzen nicht alleine halten sollte und wie es kommt, dass es manche erwachsene Katze gibt, die sehr Einzelgängerisch ist.

Edit: ich habe auch noch etwas mehr Literatur zu dem Thema zu ergänzen:

Sabine Schroll, "Aller guter Katzen sind..." Seite 70- 71:


"...Wann ist eine Katze normal?

Normal ist ein unglücklich gewählter Begriff, denn er bezieht sich auf eine Norm. Normen sind willkürlich festgelegte Kriterien, die auf menschlichen Wertvorstellungen beruhen. Katzen, die sich ausserhalb dieser Norm verhalten, werden dann nach diesen menschlichen Massstäben als "eifersüchtig, "protestierend" oder "herrschsüchtig" beurteilt. Daher ist es sinnvoller, den Begriff "physiologisch" zu verwenden.
Ein Katze verhält sich physiologisch, wenn sie ihr Verhalten, natürlich innerhalb ihrer artspezifischen Möglichkeiten
- an veränderte Gegebenheiten anpassen kann
- lernfähig ist
- sich an neue Katzen gewöhnen kann
Handlungen und Reaktionen - also Verhalten -führen zu einem Gleichgewichtsszustand, und somit Wohlbefinden, zurück.

Wann ist eine Katzen psychisch krank?

Im Gegensatz zur "normalen" Katze wird die psychisch kranke Katze vielfach als "gestört", "abnormal", "boshaft", oder "nicht ganz dicht" bezeichnet.

Es ist wiederum sinnvoller den korrekteren Begriff "pathologisch" zu verwenden.

Katzen die sich pathologisch verhalten,
- können sich nur begrenzt oder gar nicht an veränderte oder neue Umstände anpassen
- lernen nur langsam oder gar nichts Neues
- gewöhnen sich nicht an neue soziale Beziehungen
..."

Und noch einen Link, den Mandy gepostet hat:

Wenn die Einzelkatze reden könnte von Rita Marlen Feisel

Hier wird sehr schön erklärt wie eine passionierte Einzelkatzenhalterin zur Mehrkatzenhalterin wurde und warum.

Für diejenigen, die sich nun folgerichtig überlegt haben nicht nur eine sonder lieber gleich zwei Katzen anzuschaffen sei noch dieser Thread empfohlen:
https://www.katzen-links.de/katzenforum2/showthread.php?t=94586
Liebe Grüße
Andrea
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Nekolinchen

Guest
Klasse Andrea,
ich kann es nur bestätigen und hoffen dieser Text wird von allen Leuten gelesen, die noch immer an den alten Meinungen festhalten.

Ich habe hier zwei Katzendamen sitzen, die nicht mit allen Katzen klar kommen, aber ein oder zwei Katzen aus der Gruppe mögen sie dann doch.
Selbst die Aishe-Maus, die sich fast ausschließlich zu Menschen hingezogen fühlt, putzt meine Lilly, die die Sozialität in Katzengestalt ist.
Es muss eben auch bei Katzen passen, wir Menschen kommen auch nicht immer mit allen anderen Menschen klar.
Katzen brauchen Katzen, da gibt es kein Vertun!
 

Elmo

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Hallo Jaqueline,

ich hoffe vor allem, dass dieser Text all diejenigen nachdenklich machen wird, die darüber nachdenken sich ein Katzenkind anzuschaffen und sie sich daraufhin entschliessen entweder zweien oder lieber doch keinem ein Heim zu geben. Deswegen habe ich das auch hier bei den Anfängerfragen und nicht bei "Verhalten", "Erziehung" oder "Mehrkatzenhaushalt" untergebracht.

Liebe Grüße
Andrea
 

Alannah

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Das ist eine schöne Arbeit! Darf ich vielleicht die englichen Texte und die Übersetzungen übernehmen, wollte sie in einem anderen Forum noch einstellen, da gibt es gerade so einen Thread?
 

Elmo

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Hallo,

das ist für mich in Ordnung. Diese Arbeit war für mich, als ich sie gefunden habe, auch eine "Offenbarung". Denn eigentlich gibt es schon länger hier und da in der Literatur Arbeiten in denen genau dies gezeigt worden ist. Aber diese Arbeit ist eine sog. Literaturarbeit in der letzten Endes die Erkenntnisse aus den letzten Jahren Katzenverhaltensforschung schön zusammen gefasst werden.

Was ich besonders gut finde ist, dass man all den Leuten die die Stimmen für eine Zweitkatze mit dem Argument: "meine Katze mag aber eh keine anderen Katzen - also kann man das gar nicht sagen, dass alle Katzen sozial sind" gleich den "Spiegel vorhalten" kann warum das so ist.

Liebe Grüße
Andrea
 

Ariadne

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Liebe Andrea
Danke für Deinen auffschlussreichen Beitrag. Da komme ich nun aber wirklich ins Grübeln, ob Lara und ich nicht noch Gesellschaft bräuchten...
Sie ist ja erst 2 Monate bei mir und nicht an andere Katzen gewöhnt (mehr dazu in meinem Thread). Eindeutig eine Frage, die ich mir im nächsten Jahr genauer überlegen muss!
Liebe Grüsse, Ariadne
 

sabine.wer

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da möcht ich jetzt mal widersprechen: nicht ALLE Katzen brauchen Katzen.......

Caruso ist auch in einer Gruppe grossgeworden und MUSSTE sich arrangieren, um zu überleben.........

sobald er alleine war, war es mit dem Sozialen vorbei.......... da wird sich auch nichts mehr dran ändern..........

ich hätt's auch supergerne anders...........

Sabine
 

Alannah

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@Andrea: Weißt du, wo man den kompletten Artikel herbekommt? Ich hab mal danach gegoogelt, aber nicht wirklich etwas gefunden.

Danke für Deinen auffschlussreichen Beitrag. Da komme ich nun aber wirklich ins Grübeln, ob Lara und ich nicht noch Gesellschaft bräuchten...
Sie ist ja erst 2 Monate bei mir und nicht an andere Katzen gewöhnt (mehr dazu in meinem Thread). Eindeutig eine Frage, die ich mir im nächsten Jahr genauer überlegen muss!
Sicher ist das eine gute Idee! :wink:
 

Alannah

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Da komme ich leider nicht rein, man braucht eine Zugangsberechtigung :(
 

Elmo

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AggieV

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Alfter
Meine erste Katze hat diese Zeit der Sozialisation wohl auch verpasst - sie hat bei anderen Katzen sofort auf "Killer-Cat" umgeschaltet ... Lotta (Nachfolgerin der ersten Katze) war ähnlich. Danach gab's und gibt's Katzen aber mindestens im Doppelpack. Als Bellas erster "Freund" Max mit 6 Monaten leider starb hat sie mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nur mit mir spielt weil sie einfach nix besseres hat ::bg - sie hat sich merklich gefreut als dann Lisa bei uns einzog. Und als vor einigen Monaten Samson noch dazu kam war das auch kein Problem ...

LG Agnes
 

Montysmama

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(M)ein Katerchen

Hallo ihr lieben,

ich habe gerade ein leicht schlechtes Gewissen bekommen weil ich nämlich EIN kleines Katerchen zuhause habe. Für zwei hätte ich nicht so den Platz und dazu muß ich noch sagen das mein Ex ihn angeschleppt hat zum spielen. Nun ist er weg und der Kater ist bei mir geblieben. Ich bin mir nicht sicher ob ich noch einen dazu holen soll oder nicht. Die großen meiner Freundin hat er schon gut angefaucht. Er ist nun 5 monate alt und ein richtiges Biest. Er liebt es mir die Hände und Füße blutig zu kratzen und beißen weil mein ex am anfang alles falsch gemacht hat was man falsch machen kann. Ich hoffe ich kann ihn noch umerziehen, wo ich ja kräftig bei bin.

Ich hoffe mal das es mir keiner übel nimmt das ich den kleinen alleine halte aber ich mochte ihn auch nicht wieder abgeben, denn der kleine ist mir so ans Herz gewachsen und es ist so niedlich wenn er bei mir im Arm liegt und am Teddy nuckelt ;-)
 

dany87

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hi montysmama

ich würd sagen, das du einen neuen thread eröffnest und da noch einmal dein prob bzw deine frage schilderst. ich würde ihn unter verhalten rein stellen damit du auch tipps zu den zerkratzen beinen erhälst, allerdings würde ich dir auf jedenfall zu einer zweit katze raten - wo platz für eine ist - ist auch platz für zwei ;-)

liebe grüße
 

Montysmama

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Danke Dany,

ich werd das bei gelegenheit mal machen, bin ja noch neu, weiß noch nicht alles. ;-)

Mein Monty ist richtig biestig. Hab angst das der neue dann was abbekommt ;-)

LG
 

Elmo

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Hallöchen,


erst einmal herzlich Willkommen!
Wenn du möchtest, dann kann ich für dich diesen Teil des Threads "abtrennen" und daraus erstellen.

Wie alt war denn dein Kater als ihr ihn bekommen habt?

Eigentlich sind nämlcih 5 Monate durchaus noch ein Alter in dem ich eine Katze als "lernfähig" ansehen würde. Aber wenn ihr den Kerl schon mit 6 Wochen oder so bekommen habt...?

Liebe Grüße
Andrea
 

Elmo

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Hallo,

da das Thema immer wieder mal diskutiert wird und dabei neue, gute Literatur erwähnt, zitiert, verlinkt wird habe ich mich entschlossen, diese in dem ersten Beitrag zu ergänzen.

Wenn ich dies tue, werde ich das hier am Ende noch erwähnen.

Heute habe ich vorne ein Zitat aus dem Buch von Sabine Schroll (einer Tierärztin, die sich auf Katzenverhalten spezialisiert hat) "Aller guter Katzen sind..." eingefügt sowie den Link zu einem Beitrag aus dem schweizer "Katzen-Magazin" "wenn die Einzelkatze reden könnte" von Rita Marlen Feisel.

Liebe Grüße
Andrea
 

OceanSoul

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Meine erste Katze hat diese Zeit der Sozialisation wohl auch verpasst - sie hat bei anderen Katzen sofort auf "Killer-Cat" umgeschaltet .
Das tut meine auch.
Ich hab sie aus dem Tierheim geholt, wo sie auch allein gehalten wurde (1,5 Jahre), weil es anders nicht möglich war. Die ca. 8 Jahre vorher hat sie wahrscheinlich als einzelne Wohnungskatze verbracht, also ist ihr Verhalten wohl kein Wunder.

Wenn jemand wirklich nur eine Katze halten kann/will, würde ich so eine ältere nehmen, die einfach nicht mit Artgenossen kann.
 

Damgdja86

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Einzelkatze

Hallo,

Ich habe jetzt schon oft gelesen, dass man Wohnungskatzen nur zu zweit halten sollte, aus Gründen der Einsamkeit usw.
Aber was ist denn, wenn ich eine Katze aus dem Tierheim hole und die Pfleger sagen, dass sie ein absoluter Einzelgänger ist und man sie nur alleine halten DARF, weil sie s.ah mit keinen anderen Katzen versteht??

E
 

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