Erfahrungsbericht Parvovirus

Diskutiere Erfahrungsbericht Parvovirus im abgeschlossene Erfahrungsberichte Forum im Bereich Katzen allgemein; Für die, die in meinem Tierschutz-Thread mitgelesen, mitgefiebert und mitgeweint haben, wird es nichts neues sein, aber ich würde hier gerne...
2kittenmami

2kittenmami

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Für die, die in meinem Tierschutz-Thread mitgelesen, mitgefiebert und mitgeweint haben, wird es nichts neues sein, aber ich würde hier gerne nochmal zusammengefasst festhalten, wie wir den Parvovirus-Ausbruch in unserer Streunergruppe und bei unseren Hauskatzen erlebt haben. Oft gibt es ja auch bei kranken Jungkatzen Parvo-Verdacht und ich hoffe durch meine Erfahrungen ein paar Anhaltspunkte liefern zu können, auch wenn unsere Erfahrung natürlich subjektiv ist und nur eine Handvoll Fälle umfasst. Ich möchte versuchen das hier ein bisschen zu gliedern, damit es übersichtlicher ist:

Betroffene Katzen - Übersicht
  • Bärli: ca. 12 Jahre, massiver chronischer Katzenschnupfen, ungeimpft. Behandelt mit Feliserin, nicht an Parvo erkrankt (2 Tage leichter Durchfall)
  • Whiskey: ca. 16 Jahre, chronischer Katzenschnupfen, teilweise geimpft (erste Teilimpfung der Grundimmunisierung wenige Wochen vor dem Parvo-Ausbruch erhalten). Behandelt mit Feliserin, nicht an Parvo erkrankt.
  • Karl: ca. 5 Jahre, zutraulicher Streuner, ungeimpft. Massiver Wurmbefall (Bandwürmer), leichte Unterernährung. Zu Beginn des Parvo-Ausbruchs kastriert. Behandelt mit Feliserin, leichte Parvo-Symptome (Appetitlosigkeit, evtl. leichtes Fieber)
  • Carla: ca. 3-5 Jahre, Streuner, ungeimpft. Massiver Wurmbefall, Unterernährung, hat im Oktober Kitten geboren. Wurde zu Beginn des Parvo-Ausbruchs kastriert. Keine Parvo-Symptome.
  • Karmen: ca. 2-3 Jahre, Streuner, ungeimpft. Massiver Wurmbefall (Wurmbauch), leichte Unterernährung. Hat im Oktober Kitten geboren. Wurde zu Beginn des Parvo-Ausbruchs kastriert. Keine Parvo-Symptome.
  • Sammy: 5 Monate, Handaufzucht, kein Freigänger, geimpft (mit Virbagen RCP in der 10. und in der 14. Lebenswoche). Chronischer Katzenschnupfen, vermutlich angeborener Organschaden (evtl. Nierenproblem). Am 25.12. erkrankt, am 1.1. eingeschläfert. Die Infektion begann mit Erbrechen und Husten, Schnupfen und Würgen. Nahrungsverweigerung ab 27.12. Dann hohes Fieber mit anschließender Untertemperatur. Am 29.12. bekam er Durchfall (bzw. hat angefangen Kot zu verlieren) und wurde positiv auf Parvo getestet. Eingeschläfert werden musste er wegen nicht mehr stillbaren Darmblutungen.
  • Hexi: 5 Monate, Handaufzucht, kein Freigänger, geimpft (mit Virbagen RCP in der 10. und in der 14. Lebenswoche). Am 17.12. kastriert, am 25.12. erkrankt, nach stationärem Klinikaufeinhalt am 31.12. wieder gesund gewesen. Symptome: Erbrechen am 25.12., massive Atemwegsinfektion (auch Bronchitis), Würgen, Husten, hohes Fieber, Nahrungsverweigerung ab 26.12. Durchfall nur kurzzeitig gegen Ende der Akutphase.
  • Ilvy: ca. 6 Monate, ungeimpft (Streuner). Massivste Unterernährung und starker Spulwurmbefall. Wurde kastriert, am 17.12. an Parvovirose erkrankt, 1 Nacht stationärer Aufenthalt in der Klinik. Nach 3 Tagen Zwangsernährung wieder gesund gewesen. Symptome: Erbrechen, Nahrungsverweigerung. KEIN Durchfall, KEIN Fieber. Leider wurde deshalb Parvo bei ihr nicht erkannt bzw. mit anderen möglichen Ursachen verwechselt.
  • Muck: ca. 3 Monate, 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung Anfang Dezember erhalten. Am 25.12. Durchfall, in den Tagen darauf leichter Husten. Ansonsten keine Parvo-Symptome.
  • Fips, Prinzessin Alandra und Karmelito: ca. 2 Monate, Mitte Dezember mit der Katzenfalle gefangen. Alandra litt an hochgradigem Wurmbefall (Gurkenkernbandwurm) und hatte nach der Entwurmung starken Durchfall, wurde aber negativ auf Parvo getestet. Fips hatte einige Tage leichten Durchfall und
    Appetitlosigkeit. Karmelito hatte Erbrechen, Durchfall, Nahrungsverweigerung und hohes Fieber, wurde aber (aufgrund des negativen Tests bei Alandra) nicht auf Parvo getestet. Das war wenige Tage bevor Ilvy erkrankte.
  • Kulleraugenhasi (bekommt noch einen ordentlichen Namen): jetzt ca. 3 Monate aber Geschwichterchen von Fips, Alandra und Karmelito. Gefangen am 15.1., am selben Tag entwurmt (zu dem Zeitpunkt gesund bis auf eine leichte Bindehautentzündung). Am 17-18.1. Durchfall und Erbrechen mit massivster Ausscheidung von Spulwürmern (mehr als 20 Würmer, bis zu 10 cm groß). Anschließend Nahrungsverweigerung und leichtes Fieber. Stationäre Aufnahme in der Tierklinik, zunächst Verdacht auf Wurmtoxin-Vergiftung oder Darmverschluss. Keinerlei Kotausscheidung bis 22.1. Positiver Parvo-Test am 23.1.
Zusammenfassung Parvo-Symptome
Die Veterinärmedizin kennt verschiedene Verläufe der Parvovirose (oder felinen Panleukopenie)
  • perakuter Verlauf: Tod innerhalb von Stunden. Oft tritt als einziges Symptom Erbrechen oder Abgeschlagenheit auf. Eher nur bei jungen Kitten. Dieser Fall ist bei uns zwar nicht aufgetreten, aber ich denke ein solches Kitten könnte selbst bei rechtzeitiger Behandlung nicht gerettet werden.
  • akuter Verlauf: Das ist auch die klinisch relevante Form von Parvo, betroffenen Katzen kann geholfen werden, aber die Überlebensrate ist lt. unserer TÄ normalerweise 20% (also hatten wir noch Glück bzw. haben wir wohl einen nicht allzu aggressiven Stamm erwischt). Die typischen Symptome umfassen Erbrechen, Nahrungsverweigerung, hohes Fieber und Durchfall. Wobei nur Erbrechen und Nahrungsverweigerung bei ALLEN unseren betroffenen Katzen aufgetreten sind. Das Erbrechen war bei keiner Katze intensiv, es wurde 2-6x im Laufe eines Tages erbrochen und danach nicht mehr. Bei allen war Erbrechen das erste Symptom. Anschließend kam die Nahrungsverweigerung und Fieber. Einige unserer Parvo-Patienten gingen dabei immer wieder zum Futter, schnupperten und haben sich angewidert abgewendet. Das Ganze wiederholte sich nach kurzer Zeit wieder. Durchfall trat bei allen (außer bei Muck, der aber einen subklinischen Verlauf hatte) - wenn überhaupt - erst im späteren Verlauf der Infektion auf. Die Atemwegsinfektion, die unsere Katzen hatten ist ein eher seltenes Symptom von Parvo (bei 10% der Fälle). Leider hat das auch dazu beigetragen, dass Parvo bei uns erst über 2 Wochen nach den vermutlich ersten Symptomen (bei Karmelito) erkennt wurde.
    • Also: Wenn bei einem Kitten, womöglich kurz nach einem Umzug, nach einer Entwurmung, Kastration oder bei einem Kitten aus einem Bauernhof-Hintergrund Erbrechen und Nahrungsverweigerung, möglicherweise noch zusammen mit Fieber auftreten, sollte IMMER an Parvo gedacht werden, AUCH wenn das Kitten schon geimpft ist.
    • Kitten mit Parvo müssen, insbesondere an den ersten Tagen der Infektion, nicht unbedingt todkrank wirken. Sammy hat am 26.12. noch mit Muck gespielt.
    • Charakteristisches Aussehen von Parvo-Kot: Der Parvo-Durchfall von Sammy war - auch laut unserer Tierärztin - unverwechselbar. Parvo-Durchfall hat eine sehr charakteristische Farbe und einen sehr charakteristischen Geruch. Er ist gräulich-lachsfarben, wird tröpfchenweise unkontrolliert beim Gehen und Liegen verloren und riecht nach eingetrocknetem Menschen-Urin (wie ein Obdachloser in der Ubahn). Wenn euch einmal so etwas unterkommt, ist es sehr wahrscheinlich Parvo, aber wenn der Kot anders ist (normaler Kot, leichter Durchfall usw.) heißt das nicht, dass es nicht Parvo sein kann. Der Kot wird so wie hier beschrieben, wenn die arme Katze bereits erste Darmblutungen hat.
  • Subakuter Verlauf: Diese Verlaufsform macht Parvo so heimtückisch. Katzen, die eine gewisse Menge Antikörper gegen Parvo und ein gutes Immunsystem haben, können von Parvo "gestreift" werden ohne ernsthaft zu erkranken. Sie zeigen ganz untypische Symptome, die einen niemals an Parvo denken lassen würden. Zb. ein bisschen Durchfall, ein bisschen Erbrechen, ein bisschen Fressunlust, leichtes Fieber. Trotzdem sind diese Katzen infiziert und scheiden auch Parvoviren aus, allerdings sicherlich in geringerem Ausmaß als massiv infizierte Katzen. Subakute Verläufe sind bei erwachsenen Katzen, insbesondere bei solchen aus Streuner- oder Bauernhofpopulationen anscheinend alles andere als selten. Bei Karl konnten wir das beobachten, allerdings ist nicht bewiesen, dass es Parvo war. Auch bei Kitten kann es subakute Verläufe geben (siehe Muck - dass es bei ihm tatsächlich Parvo war konnten wir durch seinen enorm hohen Antikörpertiter 3 Wochen danach indirekt beweisen). Dazu kommt es wenn ein Kitten viele Parvo-Antikörper von der Mutter mitbekommen hat. In durchseuchten Populationen ist das anscheinend eher die Regel als die Ausnahme. Außerdem kann aus einem subakuten Verlauf ein akuter werden (siehe Kulleraugenhasi), wenn eine zusätzliche Belastung fürs Immunsystem dazukommt (Entwurmung).
  • Asymptomatischer oder chronischer Verlauf: Katzen mit ausreichend Antikörpern können auch symptomlos bleiben. Dass eine Katze symptomlos ist, heißt aber nicht, dass sie keine Parvoviren ausscheidet. Dauerausscheidung ist anscheinend auch möglich.
Behandlung
Der Goldstandard bei Parvo ist Feliserin und/oder Interferon. Außerdem sollten vorsorglich (Sekundärinfektionen) mit Antibiotika gegeben werden. Wichtig ist, dass betroffene Katzen nicht dehydrieren. Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich eine Katze (besonders eine Jungkatze) bei Nahrungsverweigerung spätestens nach 24 Stunden an den Tropf hängen lasse. Bei Erbrechen oder Durchfall entsprechend schneller. Kommt es erst einmal zur Dehydration, dauert es Tage bis die wieder weg ist. Außerdem schwächt Dehydration den Kreislauf so sehr, dass der TA unter Umständen keinen Venenzugang mehr legen kann. Also lieber früh hospitalisieren als zu spät!
Falls man in der unglücklichen Situation ist einen Parvopatienten ohne Möglichkeit der stationären Aufnahme zu betreuen, muss man unbedingt schauen, dass man Flüssigkeit in die Katze bekommt. 100 ml Minimum pro Tag, wenn nichts durch Erbrechen/Durchfall verloren wird.
Eine weitere Indikation für eine sofortige Hospitalisierung ist Untertemperatur. Die ist gefährlicher als das Fieber und kann bei Parvo leicht - insbesondere nach der Gabe von Fiebersenkern - auftreten. Falls es keine Klinik gibt, muss man den Patienten mit einer Wärmelampe oder notfalls mit der eigenen Körperwärme warm halten. Wärmeflasche oder Snugglesafe alleine ist nicht ausreichend bei Untertemperatur.

Parvo-Überlebende

Unsere Überlebenden hatten nachdem sie wieder gesund waren für ca. 1 Monat mit massiven Problemen mit der Fettverdauung zu kämpfen. Dagegen hilft fettarmes Futter (Fettanteil unter 5%) bzw. Ernährung wie bei Pankreatitis. Enzyme haben wir dann nicht probiert, könnte aber hilfreich sein. Außerdem Darmfloraaufbau und wenn es schlimm ist auch mal Enterogelan. Zum Aufholen des Gewichtsverlusts durch Parvo eignet sich Royal Canin Convalescense Support sehr gut. Weitere Spätfolgen haben wir bis jetzt nicht beobachtet, aber wenn etwas auftritt, werde ich euch auf dem Laufenden halten.

Parvoviren werden nach der Heilung noch mindestens 14 Tage ausgeschieden und können in allen Körperflüssigkeiten sein. Streuschaufeln desinfizieren wir täglich, die KaKlos jeden zweiten Tag. Das gebrauchte Katzenstreu entsorgen wie in mit Kabelbinder verschlossenen Säcken in der Restmülltonne. Es gibt die Möglichkeit Parvo-Ausscheidung im Kot im Labor testen zu lassen, das werden wie aber evtl. nur machen falls eine Katze vermittelt werden soll.

Mein Rat an Streunerstellen
Ich wünschte ich hätte das alles schon gewusst, bevor sich die Streuner bei uns niedergelassen haben. Folgendes würde ich Menschen, die Streuner betreuen raten, wenn Kitten (oder Hundwelpen) irgendwie mit im Spiel sind (auch wenn zb. eine Verwandte oder Freundin, die man häufig besucht ein Kitten oder einen Welpen hat)
  • Die Grundimmunisierung ist KEINE Garantie für einen Parvo-Schutz, insbesondere bei Jungkatzen die noch keine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Besonders Kitten aus Bauernhofpopulationen, aber auch Kitten von gut durchgeimpften Muttertieren (Zuchtkatzen) sind häufig davon betroffen, dass die Grundimmunisierung wegen maternaler Antikörper nicht wirkt.
  • bei Fressunlust, Erbrechen und Fieber sollte IMMER an Parvo gedacht werden, auch wenn es mögliche andere Gründe für die Symptome geben könnte (Würmer, Schnupfen...).
  • bedenkt, dass man einer Streunerpopulation nicht unbedingt ansehen muss, dass sie Parvo in sich tragen. Parvo ist vermutlich häufiger als man denkt, da viele ungeimpfte, ältere Tiere eine natürliche Resistenz aufgebaut haben. Das geht nur durch Kontakt mit dem Erreger.
  • Dass man Parvo mit den Schuhen ins Haus tragen kann, ist ja hinlänglich bekannt und es stimmt auch wirklich - bei uns war es so
  • Quarantäne so wie sie in einem Privathaushalt umgesetzt werden kann - also Streunerbabys im Badezimmer haben - ist KEINE ausreichende Vorbeugung gegen Parvo. Desinfizieren erhöht aber die Wahrscheinlichkeit es nicht zu verschleppen
  • Wer mit Parvo-Risikofällen arbeitet (Streunerbabys rettet usw), sollte zum Schutz der eigenen Hauskatzen - insbesondere wenn die noch jung sind - immer folgendes im Haus haben
    • ein gegen Parvo wirksames Desinfektionsmittel (zb. Halamid oder Virkon) sowie ein Hand-Desinfektionsmittel (Sterilium Virugard). Dieses sollte bei Risikofällen standardmäßig und auch zur Desinfektion von Tierschutz-KaKlos, Streuschaufeln etc. verwendet werden. Dh. wenn ein Tierschutzkitten, das man evtl im Badezimmer hat irgendwo hinkotzt, nicht lange nachdenken, sondern in Risikofällen IMMER desinfizieren.
    • Einen großen Kaninchenkäfig. Wenn man ein Kitten mit einschlägigen Symptomen in einen Kaninchenkäfig sperrt, entfallen schon einmal zahlreiche Möglichkeiten den Erreger in der gesamten Nachbarschaft zu verteilen.
    • Einweg-Überschuhe. Bei Verdachtsfällen benutzen.
  • Man kann den Immunstatus der eigenen Haustiere überprüfen lassen, indem man Blut zur Parvo-Antikörpertiter-Bestimmung ins Labor schicken lässt. Ein ausreichender Antikörper-Titer ist immernoch keine Garantie, dass das Tier 100% geschützt ist, aber die Grundvoraussetzung (das Immunsystem muss auch gut arbeiten).
 
23.01.2020
#1

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Gast

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Tina2014

Tina2014

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Vielen Dank, dass Du das hier so detailliert aufschreibst ::knuddel Ich musste gleich wieder ein Tränchen um Sammy verdrücken😢.

Aber ganz sicher kann Deine Erfahrung anderen Betroffenen sehr helfen.
::knuddel
 
2kittenmami

2kittenmami

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Aus gegebenem Anlass ein Update zu meinem Erfahrungsbericht!

Muck: ca. 3 Monate, 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung Anfang Dezember erhalten. Am 25.12. Durchfall, in den Tagen darauf leichter Husten. Ansonsten keine Parvo-Symptome.
Mithilfe unseres Antikörper-Tests konnten wir feststellen, dass Muck sehr wahrscheinlich an Parvovirus erkrankt war. Er hatte einen ähnlich hohen Titer wie Hexi und der Titer kam eher nicht von der RCP-Impfung, da die Titer für Herpesvirus-Antikörper und Calicivirus-Antikörper niedrig (bzw. unter der Nachweisgrenze) waren und der Parvo-Antikörpertiter extrem hoch.

Warum ist Muck also nicht stark erkrankt: Er hat von seiner Mutter vermutlich eine große Menge an Antikörpern übers Colostrum mitbekommen. Dadurch konnte er die Infektion abwehren und hatte nur diesen einmaligen, starken Durchfall. Sein Titer blieb seit der Infektion stabil und wurde durch die 2. RCP Teilimpfung nochmal geboostet.

Kulleraugenhasi (bekommt noch einen ordentlichen Namen): jetzt ca. 3 Monate aber Geschwichterchen von Fips, Alandra und Karmelito. Gefangen am 15.1., am selben Tag entwurmt (zu dem Zeitpunkt gesund bis auf eine leichte Bindehautentzündung). Am 17-18.1. Durchfall und Erbrechen mit massivster Ausscheidung von Spulwürmern (mehr als 20 Würmer, bis zu 10 cm groß). Anschließend Nahrungsverweigerung und leichtes Fieber. Stationäre Aufnahme in der Tierklinik, zunächst Verdacht auf Wurmtoxin-Vergiftung oder Darmverschluss. Keinerlei Kotausscheidung bis 22.1. Positiver Parvo-Test am 23.1.
Das kleine Hasi ist leider eine Woche nach ihrer Hospitalisierung, als sie die Parvo-Infektion eigentlich schon besiegt hatte noch in der Klinik, am Tag an dem wir sie hätten abholen sollen plötzlich an einer Herzschwäche verstorben. Parvo geht im späten Infektionsverlauf leider manchmal auf den Herzmuskel und verursacht eine Myokarditis.

Parvo-Überlebende
Unsere Überlebenden hatten nachdem sie wieder gesund waren für ca. 1 Monat mit massiven Problemen mit der Fettverdauung zu kämpfen. Dagegen hilft fettarmes Futter (Fettanteil unter 5%) bzw. Ernährung wie bei Pankreatitis. Enzyme haben wir dann nicht probiert, könnte aber hilfreich sein. Außerdem Darmfloraaufbau und wenn es schlimm ist auch mal Enterogelan. Zum Aufholen des Gewichtsverlusts durch Parvo eignet sich Royal Canin Convalescense Support sehr gut. Weitere Spätfolgen haben wir bis jetzt nicht beobachtet, aber wenn etwas auftritt, werde ich euch auf dem Laufenden halten.
Hexi und Ilvy haben sich gewichts- und Entwicklungsmäßig sehr gut von ihrer Parvo-Infektion erholt. Ilvy verträgt jedes Futter, Hexi neigt nach wie vor zu Durchfall. Mittlerweile vermeiden wir Rindfleisch im Futter und geben immernoch oft Damrsymbionten. Unsere TÄ sagt, dass sich durch die Darmschädigung bei einer Parvo-Infektion Futtermittelunverträglichkeiten bilden können, weil Proteine aus dem Futter durch die geschädigte Damrwand in den Blutkreislauf gelangen können und sie das Immunsystem als Allergene erkennt.

Neurologische Spätfolgen gibt es keine. Auch sonst sind uns keine bleibenden Schäden bekannt, wir haben von den beiden aber kein Blutbild machen lassen. Bei Ilvy ist das aber für die nächste Zeit einmal geplant.

Hexi und Ilvy hatten in letzter Zeit beide mit starken Zahnfleischentzündungen zu kämpfen, die laut Fachliteratur auch eine Folge von Parvo sein könnten.
 

Trubanixe

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Vielen vielen Dank für Deine detaillierten Hinweise und Beobachtungen!
🌈 für das Kulleraugenhasi :herz:
 
Pat

Pat

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Hallo Katharina ::wgelb ,

erstmal vorab...... ich vermisse dich hier im Forum sehr und deine so wirklich hilfreichen und informativen Beiträge und ich würde mich freuen, wenn du dich hier wieder im Forum meldest und von deinen Erfahrungen berichtest.
Ich hoffe es ist bei euch alles inzwischen ruhig und gesund in eurer Katzengruppe.

Ich bin gerade über diesen deinen sehr informativen Beitrag gestolpert, weil ich im Bekanntenkreis von einem ähnlichen Fall erfahren habe.
Auch da konnte mit Gabe von Feliserin erreicht werden, dass die Krankheit das Feld räumte .

Deine hier so ausführlichen Informationen können eine ganz wichtige Information für jeden hilfesuchenden Leser hier sein, denn durch das Feliserin kann es im schlimmsten Fall Leben retten.

Ganz vielen Dank für deine so tolle Auflistung und Information.
 
2kittenmami

2kittenmami

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Hallo! Danke, dass du an mich denkst und mir nicht böse bist wegen meiner Forumspause!

Feliserin ist wirklich ein sehr wertvolles Medikament.

Was ich jetzt 1 Jahr danach noch ergänzen möchte: Der Spuk scheint bei uns in der Ortschaft vorbei zu sein. Es gab keine neuen Parvo-Fälle. Bei Nachbarn gab es Kitten (ja, ich weiß, ich hab mir schon den Mund fusselig geredet und sie sehen es nicht ein - aber immerhin kümmern sie sich darum, dass sie wo gut unterkommen) und die sind gesund geblieben. Bei einem anderen Nachbarn ist die Freundin mit ihrer 9 Monate alten Katze eingezogen. Der hab ich gesagt, dass sie die 1. Auffrischung vorziehen soll, wenn sie nicht will, dass die Katze Parvo bekommt. Die Katze wurde 1 Monat vor dem Umzug nochmal nachgeimpft und ist gesund geblieben. Die zusätzliche Impfung außerhalb des Impfplans hat ihr auch nicht geschadet, die TÄ (eh unsere Klinik) hat das angesichts der Situation auch befürwortet.

Die beiden Streunerkitten Tommy und Rocco haben nachdem wir sie im Mai gefangen haben beim TA als allererstes Feliserin bekommen. Zusätzlich nur ein Floh-Spoton und die erste Entwurmung erst später auf der Pflegestelle. Das hat gut geklappt. Wir haben immer sehr darauf geachtet unsere Schuhe draußen auszuziehen. Leicht paranoid bin ich immernoch, obwohl die beiden jetzt schon fertig grundimmunisiert sind und die Viren am Bauernhof wahrscheinlich schön langsam nicht mehr infektiös sind. Die Katzen wurden ja schlussendlich von meinen Eltern adoptiert und leben jetzt dort.

Bei uns in der Region ist der Spuk allerdings noch nicht vorbei, man hört immer wieder von Parvo-Ausbrüchen. Teilweise lokal, teilweise ausgehend von Hunden aus Tierheimen in Osteuropa.

Mit der prophylaktischen Gabe von Feliserin bei Kitten aus Risikobereichen (also aus Ortschaften bzw. Bauernhöfen wo Parvo aufgetreten ist) hat auch der Tierschutzverein sehr gute Erfahrungen gemacht. Die haben schon viele Kitten aus Parvo-Populationen herausgeholt und haben es mit Feliserin geschafft, dass bei dutzenden dieser Kitten nur einzelne Fälle aufgetreten sind. Mit Feliserin hat das Tier für ca. 14 Tage einen Schutz vor dem Ausbruch einer Parvo-Erkrankung. Wenn Feliserin am Tag des Einfangens verabreicht wird und das Tier dann wo untergebracht wird wo es sich nicht mehr anstecken kann, ist man wohl in den allermeisten Fällen safe, da die Inkubationszeit genau in den Wirkungszeitraum von Feliserin fällt.

Wegen des Allergie-Potenzials kommt die prophylaktische Gabe von Feliserin aber nur in Frage, wenn es einen guten Grund dafür gibt. Also bei Tieren aus bekannten oder vermuteten Parvo-Populationen oder vom Auslandstierschutz, aber immer nur bei Jungtieren. Ältere Katzen und Hunde, besonders die aus schlechten Verhältnissen, sind auch ohne Impfung normalerweise immun.

Feliserin gehört in den Impfpass eingetragen und es darf dann im weiteren Verlauf des Lebens kein zweites Mal verabreicht werden. Wenn das Tier an jemanden weitervermittelt wird, muss der Person das erklärt werden, sodass sie es versteht und darauf achtet.

Probleme mit eventuellem Pferdefleisch im Futter sind bei unseren Feliserin-Katzen keine aufgetreten. Es wäre aber theoretisch möglich, dass Feliserin eine Allergie gegen Pferd im Futter verursacht, dann dürfte man lebenslang nurmehr Futter geben in dem alle Zutaten inkl. Fleischsorten deklariert sind (also mindestens Carny), was sich vielleicht nicht jeder leisten kann.
 
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