Einzelgänger?

Diskutiere Einzelgänger? im Katzen-Verhalten Forum im Bereich Katzen allgemein; Hallo, wir haben eine 5-6 Jahre alten Kater aus dem Tierheim. Er war irgendwann einmal einer alten Frau mit vielen Katzen zugelaufen und hat sich...

peanut-baby

Registriert seit
02.01.2008
Beiträge
91
Gefällt mir
0
Hallo,
wir haben eine 5-6 Jahre alten Kater aus dem Tierheim. Er war irgendwann einmal einer alten Frau mit vielen Katzen zugelaufen und hat sich in ihrer Wohnung eingenistet. Allerdings
mit konsequenter Abneigung gegen die anderen Katzen. Er hat wohl immer alle verscheucht und hat seine Plätze den anderen gegenüber streitig gemacht, obwohl er ja neu dazu kam. Dann hat die Frau ihn ins Tierheim gegeben, weil ihre Katzen schon fast gar nicht mehr nach Hause kamen.
Gibt es also unter Katzen wirklich Einzelgänger und wenn ja, woran kann das liegen?
Er ist sehr anhänglich und ein absoluter Schmuser. Was vorher mit ihm war, weiß natürlich keiner, da er der Frau ja zugelaufen war.
LG und Danke
Sandra
 
02.01.2008
#1

Anzeige

Gast

Schau mal hier: Einzelgänger? . Dort wird jeder fündig!

cjh27

Registriert seit
26.07.2006
Beiträge
18.187
Gefällt mir
1
Hi Sandra,

erst einmal HERZLICH WILLKOMMEN hier ::w ::w ::w

Einige Katzen und Kater sind leider sehr dominant- ich glaube, das das Dominazverhalten angeboren ist. Ich könnte mir da z.B: gut vorstellen, das dein Katerchen sich als der Chefkater ansieht und deshalb nicht einsehen wollte, warum er denn teilen soll.

Eine andere möglichkeit ist das er als Kleines Kitten viel zu früh von der Mutti getrennt wurde und alleine gehalten wurde- in dem Fall hat er kein gutes Sozialverhalten. Volker hat mal aufgeschrieben, wie die Sozialisierungsphase bei einem Kitten ablaufen sollte. Ich werd's dir mal hierher kopieren ...

Es kann auch sein das dein Katerchen als zweit- Kater glücklich währe, wenn der Andere charakterlich zu ihm paßt- sich aber dafür in einem großen Katzenrudel nicht so wohl fühlt.

Das wird wohl sein kleines Geheimnis bleiben- denn ohne ihn beim Interagieren mit anderen Katzen zu beobachten können wir hier nur spekulieren, lach.

christine
 

cjh27

Registriert seit
26.07.2006
Beiträge
18.187
Gefällt mir
1
so, das ist von unserem Admin, Volker:

Bei der Abgabe von Kitten über 12. Wochen ist nicht nur das Lebensalter wichtig sondern noch viel mehr die Art und Weise wie Kitten aufgezogen wurden.

Vor allem während der sensiblen Phase (2.–7. LeWo) sollten Kitten ein breites Spektrum an Umweltreizen positiv erleben. Lernen Katzenwelpen ab einem Alter von 2 Wochen nicht den Menschen kennen (in Anwesenheit der Katzen-Mutter und Geschwister) kann es zu ebenfalls zu einer fehlenden Sozialisation führen

Diagnostische Hinweise auf Haltungs- und Aufzuchtsfehler von Katzen


Fehlende Sozialisation gegenüber anderen Arten (Menschen):
Nach der 7. LeWo übernommene Jungkatzen ohne ausreichenden Kontakt mit Menschen sind nicht auf Menschen sozialisiert, reagieren damit wie Wildtiere und sind nur mehr schwer auf einzelne Personen bedingt angstfrei sozialisierbar.

Fehlende Sozialisation gegenüber Artgenossen / Handaufzucht / fehlender Kontakt mit erwachsenen Katzen:
Kitten, die unter 7 Wochen übernommen werden u./ o. ohne erwachsene Katze (Mutter) handaufgezogen wurden, haben Defizite in der Erziehung durch erwachsene Tiere zur emotionalen und motorischen Selbstkontrolle sowie im Sozialverhalten.

Fehlende Sozialisation gegenüber Artgenossen / Handaufzucht / fehlender Kontakt mit anderen jungen Katzen (Geschwister):
Einzeln aufgezogene Jungkatzen fehlen emotionale und motorische Selbstkontrolle, sowie die sozialen Verhaltensweisen, die sie normalerweise unter Geschwistern lernen.
Sowohl KARSH u. TURNER (1988), HART u. HART (1991) als auch ASKEW (1997) berichten, im Hinblick auf das Verhalten von Katzen gegenüber Menschen, Artgenossen und Tieren anderer Spezies, von der Gewichtigkeit sozialer Kontakte während der 2.-7. Lebenswoche einer Katze. Diese sensible Phase zur Sozialisierung "Sozialisationsphase" findet zwischen der zweiten/dritten und der siebten Lebenswoche der Tiere statt (KARSH u. TURNER, 1988).

Die Entwicklung eines Kitten erfolgt in mehreren Lebensphasen.

Vorgeburtliche Phase Pränatale Phase

Von der Geburt bis zur 2. Lebenswoche - Neonatale Phase

- blind und taub geboren
- Augen öffnen sich nach ca. 14 Tagen (binokulare Sehfähigkeit erst nach 7 Wochen)
- Ohren öffnen sich nach ca. 7 Tagen (volle Hörfähigkeit erst nach 4 Wochen)
- Synapsen im Gehirn unterliegen Reifungsprozessen, die vor allem durch Umweltreize aktiviert werden, d.h. Synapsen, die nicht aktiviert werden, fallen einem genetisch determinierten Prozess der Autodestruktion zum Opfer (z.T. irreversibel)
- Fazit: Die Gehirnentwicklung der Kitten hängt wesentlich von den Umweltreizen in den ersten Lebenswochen ab!
- Aktive Fortbewegung in Richtung Nahrungsquelle
- Geschmacks- und Tastsinn
- Futteraufnahme bis zu 4 Stunden täglich
- Ausscheidung nur durch Lecken der Mutter möglich

bis Ende der 3. Lebenswoche - Transitionale Phase
- Entwicklung einer gewissen Unabhängigkeit von der Mutter
- Milchzähne komplett; erste Versuche, feste Nahrung aufzunehmen
- weiterentwickelte Thermoregulation
- kurze Strecken, ab und an Nest verlassen

Ende der 3. bis zur 7. Lebenswoche - Sozialisationsphase

4.LeWo: Gehör- und Geruchssinn komplett, Verlassen des Nestes für Kot- und Urinabsatz + Erkundungen, Prägung auf den Untergrund
5.LeWo: komplexe Bewegungsabläufe
5.-7.LeWo: Abstillen, Prägung auf feste Nahrung der Mutter, Zusammenhang zwischen Zeitpunkt des Abstillens und der Entwicklung des Jagdverhaltens: Je früher ein Kitten abgestillt wird, desto eher entwickelt es Jagdverhalten und ist im späteren Leben ein umso besserer Jäger!

Ab der 8.LeWo: Zunahme von Objektspielen gegenüber Sozialspielen

ab 7. Lebenswoche bis zur Pubertät 7.-9. Lebensmonat - Juvenile Phase

- Emotionale und motorische Selbstkontrolle wird im Spiel mit den Geschwistern und durch die aktive Erziehung der Katzenmutter ca. bis zur 9. – 12. LeWo erworben. Ab diesem Zeitpunkt sollten Jungkatzen im Spiel und im sozialen Umgang mit Menschen und anderen Katzen eine Kontrolle über Zubeißen und den Einsatz ihrer Krallen haben. Die Anwesenheit von Geschwistern und einer angstfreien und ruhigen Mutter wirkt sich bis zu diesem Zeitpunkt begünstigend auf das Explorationsverhalten (Erkundungsverhalten) und das positive Reagieren gegenüber allem Neuen aus. Jedoch kann eine ängstliche Mutter die Kontaktaufnahme zu Menschen erheblich verlangsamen, behindern oder gänzlich unmöglich machen!!

Zweite sensible Phase um den 5.LeMo
– Weiterführung der Sozialisation und Bindung an den Sozialpartner Mensch

Die soziale Reife erreichen Katzen erst mit 2-4 Jahren.

... und das hier ist der Thread dazu:

http://katzen-links.de/katzenforum2/showthread.php?t=94586


Christine
 
Minibocki

Minibocki

Registriert seit
12.12.2004
Beiträge
5.555
Gefällt mir
1
Hallo Sandra,

auch von mir erst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum. ::w ;-)

Ich hab hier bis auf eine Sache fast das totale Gegenteil zu deinem Kater.

Wie dein Kater mag Amanda keine anderen Katzen/Kater um sich haben. Aber sie verteidigt nichts. Sie zieht sich zurück und stellt z. B. das Fressen total ein - aus Angst.

Gemeinsam haben sie wohl, dass sie keine anderen Katzen um sich haben wollen. Aber so wie dein Kater sich wehrt und alles verteidigt, so macht Amanda rein gar nichts und würde sich alles gefallen lassen bis hin zur Aufgabe - und würde dann einfach nicht mehr wollen. :(

Sie gehört jedenfalls zu den völlig untypischen Einzelgängerkatzen und zu ihrem Schutz darf ich ihr keine andere Katze zumuten. ;-)

Liebe Grüße
Anja
 

peanut-baby

Registriert seit
02.01.2008
Beiträge
91
Gefällt mir
0
Hallo,
erst einmal Danke für eure Antworten.
Bei ihm ist es wohl schwer zu sagen, da man ja über seine Kindheit gar nichts weiß. Weder wo er herkommt, noch wie er aufgewachsen ist.
Aber trotzdem hat er ja ein gutes zu Hause verdient, auch wenn er vielleicht ein "Sozialisierungsproblem" hat.
Wenn er sich eingelebt hat, vielleicht werden wir mal einen Versuch starten mit einer zweiten Katze. Allerdings ist das ja auch nicht wirklich nötig, falls er ein Freigänger werden sollte. Bei der Vorbesitzerin war er aber auf jeden Fall in der Wohnung geblieben und wollte die ganze Aufmerksamkeit nur für sich. Aber einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert, ihn zu vergesellschaften. Zwar bin ich vormittags nur 3 Std. arbeiten und in dieser Zeit ist mein Mann noch zu Hause, aber trotzdem wäre es ja schöner.
LG Sandra
 

threnody

Registriert seit
27.04.2007
Beiträge
255
Gefällt mir
0
Auch von mir ein "Herzliches Willkommen"!!

Unser Sternenkater Olli hatte es auch nicht gelernt mit anderen Katzen zusammen zu leben. Wenn wir bei meinem Vater das Haus gehütet haben, und die Katze seiner Freundin dort war, mussten wir das Haus trennen. Olli fand es irgendwie befremdlich - selbst nach 3 Wochen. Er war dafür unglaublich auf meinen Freund geprägt.

Ich glaube, dass viele der "im TH deklarierten Einzelgänger" vielleicht die falschen Partner hatten, oder aber verlernt haben mit anderen Katzen auszukommen. Aber ein kleiner Prozentsatz wird sicherlich auch einfach "Einzelgänger" sein.
 

Gwion

Registriert seit
27.04.2007
Beiträge
2.901
Gefällt mir
3
Schwer zu sagen, ob er mit einer anderen Katze zurecht käme.
Zum einen schreibst Du, er war bei einer alten Frau mit vielen Katzen. Will da ja keine Vorturteile bedienen, aber ich habe sofort eine Catlady vor Augen .. da würden sich viele Katzen unwohl fühlen. Zum anderen - ob der Abgabegrund auch tatsächlich das war, was genannt wurde, ist ja auch nicht erwiesen.

Ein besserer Anhaltspunkt wäre das Verhalten im TH, allerdings ist auch dort eine Ausnahmesituation und die Beobachtungen dort sind daher nur bedingt zutreffend.

Wenn er sich eingelebt hat, vielleicht werden wir mal einen Versuch starten mit einer zweiten Katze. Allerdings ist das ja auch nicht wirklich nötig, falls er ein Freigänger werden sollte.
Natürlich ist das Leben mit 2 Katzen, die sich verstehen, viel schöner, aber wenn er allein auch glücklich ist, würde ich es dabei belassen. Es gibt einfach Tiere, die lieber allein bleiben wollen. Zwangsvergesellschaftung bedeutet ev. monatelang Probleme und Streß und vielleicht werden sie dennoch nie richtige Kumpel. Warum sollte man das dem Kater, vor allem aber einer "unschuldigen" Zweitkatze antun.

Also, abwarten, gut beobachten und überlegt entscheiden.
 
Thema:

Einzelgänger?

Einzelgänger? - Ähnliche Themen

  • Die Katze ein Einzelgänger?

    Die Katze ein Einzelgänger?: Hallo, mir ist aufgefallen das die Meinungen darüber, ob Katzen Einzelgänger oder mehr Gruppentiere sind, zum Teil doch sehr weit auseinander...
  • Ähnliche Themen
  • Die Katze ein Einzelgänger?

    Die Katze ein Einzelgänger?: Hallo, mir ist aufgefallen das die Meinungen darüber, ob Katzen Einzelgänger oder mehr Gruppentiere sind, zum Teil doch sehr weit auseinander...
  • Top Unten